
Südwestdeutschland gehört zu den vielseitigsten Motorradregionen Europas. Zwischen den Alpen im Süden und der Schwäbischen Alb im Norden erstreckt sich eine Landschaft, die für Biker kaum Wünsche offenlässt: kurvenreiche Alpenpässe, sanft geschwungene Flusstäler, weitläufige Hochmoore und malerische Kleinstädte wechseln sich auf wenigen hundert Kilometern ab. Das Allgäu und das Donautal bilden dabei zwei Pole, zwischen denen sich einige der schönsten Motorradrouten Baden-Württembergs und Bayerns spannen.
Dieser Artikel stellt ausgewählte Touren vor, gibt Empfehlungen für Unterkünfte und liefert praktische Tipps für die Planung einer Motorradreise zwischen Allgäu und Donautal.
Tour 1: Donautal – Von Sigmaringen bis zum Bodensee

Strecke: ca. 286 km | Fahrzeit: ca. 5 Stunden | Karte aufrufen
Die Donautour beginnt in Sigmaringen, wo die junge Donau ein tief eingeschnittenes Tal durch die Schwäbische Alb geformt hat. Die Straße schlängelt sich entlang der Flussschleifen, passiert markante Felsformationen und bietet regelmäßige Ausblicke auf die Talsohle. Auf dem Weg nach Westen lohnt sich ein Abstecher nach Beuron mit seinem berühmten Kloster in idyllischer Lage. Die Beuroner Talstraße zählt zu den kurvenreichsten Abschnitten der gesamten Route und erfordert volle Konzentration — genau das, was Biker schätzen. Weiter talaufwärts passiert man die Burgruine Wildenstein, die hoch über dem Fluss thront.
Nach Durchquerung des Oberen Donautals öffnet sich die Landschaft allmählich und geht in das sanfte Hügelland Oberschwabens über. Wer bei diesem Trip eine Pause benötigt, sollte in Zwiefalten einen kleinen Stopp machen und sich mit Kaffee und Kuchen stärken, bevor die Kurvenfahrt weitergeht.
- Höhepunkte: Beuroner Talstraße, Kloster Beuron, Burgruine Wildenstein, Donaudurchbruch bei Fridingen
- Straßencharakter: Eng und kurvenreich im Unteren Donautal, weitläufiger im Oberen Donautal
- Schwierigkeit: Mittel — einzelne Abschnitte erfordern Erfahrung
Tour 2: Allgäu – Alpenpanorama und Voralpenland

Strecke: ca. 185 km | Fahrzeit: ca. 3,5 Stunden | Karte aufrufen
Die Allgäutour führt durch das Herz der bayerischen Voralpen. Ausgehend von Biberach an der Riß bis nach Wangen im Allgäu windet sich die Route durch ein abwechslungsreiches Mosaik aus Wiesen, Wäldern und Moorlandschaften. Besonders eindrucksvoll ist die Fahrt Richtung Süden, wo sich der Blick auf die Allgäuer und Ammergauer Alpen öffnet.
Ein Highlight der Tour ist der Abschnitt entlang des Forggensees. Bei klarem Wetter spiegelt sich die Bergkulisse der Tannheimer Berge im Wasser — ein Anblick, der selbst erfahrene Biker zum Anhalten bewegt. Die Straße um den See ist kurvenreich und gut ausgebaut, ideal für ein zügiges, aber entspanntes Fahrtempo. Wer möchte, kann die Tour mit einem Abstecher nach Füssen und zum Neuschwanstein erweitern. Die Straßen dorthin bieten erstklassiges Fahrvergnügen mit weiten Kurven und moderaten Steigungen. Untertags empfiehlt sich ein Halt in Kißlegg für eine Pause.
- Höhepunkte: Forggensee, Allgäuer Alpenpanorama, Füssen, Neuschwanstein, Wertacher Hörnle
- Straßencharakter: Weitläufige Landstraßen mit Panoramaausblicken, vereinzelt kurvige Alpenzubringer
- Schwierigkeit: Leicht bis mittel — auch für weniger erfahrene Fahrer geeignet
Weitere Tourenvorschläge
Oberschwäbische Barockstraße
Eine rund 220 km lange Route, die Kultur und Fahrspaß verbindet. Von Bad Waldsee über Weingarten, Ravensburg und Meersburg bis nach Ulm folgt die Tour dem historischen Pfad der oberschwäbischen Klöster und Schlösser. Die Straßen sind überwiegend gut ausgebaut und kurvenarm, dafür bieten sich zahlreiche Möglichkeiten für Pausen — etwa am Zeppelin Museum in Friedrichshafen oder in der historischen Altstadt von Ravensburg.
Württemberger Alb
Für Fahrer, die kurvenreiche Strecken bevorzugen, ist die Schwäbische Alb ein Geheimtipp. Von Ulm über Ehingen, Blaubeuren und Münsingen bis hin zum UNESCO Geopark bei Bad Urach erstreckt sich ein Netz aus Alleenstraßen und kurvigen Verbindungen. Die Burgsteige, der Steilabfall der Alb zum Vorland, liefern spannende Passagen mit wechselndem Asphaltbelag und guter Übersicht.
Bodensee-Runde
Die klassische Bodensee-Runde (ca. 280 km) führt rund um den See und verbindet drei Länder: Deutschland, Österreich und die Schweiz. Von Konstanz über Friedrichshafen und Bregenz bis nach Romanshorn und zurück bietet die Tour eine Mischung aus Seeuferstraßen, Hügelketten und städtischer Atmosphäre. Besonders reizvoll ist die Schweizer Süduferseite mit ihren Weinbergen und der malerischen Kleinstadt Rorschach.
Hotel und Übernachtung
Parkhotel Jordanbad — Zentral im Allgäu gelegen, bietet das Parkhotel Jordanbad komfortable Zimmer, ein hervorragendes Restaurant und eine eigene Thermalquelle zur Entspannung nach dem Fahren. Sobald ein Zimmer gebucht ist, kann die Therme kostenlos genutzt werden. Die Lage ist ideal als Ausgangspunkt für die Allgäutouren. Parkhotel Jordanbad
Campingplatz Steinhausen — Wer es rustikaler mag, findet im Campingplatz Steinhausen am Rande des Donautals eine günstige und praktische Übernachtungsmöglichkeit. Der Platz ist motorradfreundlich und bietet direkten Zugang zu den Donautouren. Campingplatz Steinhausen
Zusätzlich gibt es in der Region zahlreiche Motorradhotels und Pensionen, die sich speziell auf Zweiradfahrer eingestellt haben — von abschließbaren Motorradabstellplätzen über Trockenräume für Ausrüstung bis hin zu Routenplänen an der Rezeption.
Tipps für die Region
- Beste Reisezeit: Mai bis September. Die Alpenstraßen sind in der Regel ab Mitte Mai schneefrei. Juni und September bieten die beste Kombination aus angenehmen Temperaturen und geringerem Touristenaufkommen.
- Straßenbeschaffenheit: Die Hauptverbindungen sind durchgehend in gutem Zustand. In den Seitentälern des Donautals können vereinzelt engere Abschnitte und lose Stellen auftreten. Die Alpenzubringer im Allgäu sind in der Regel gut gepflastert und breit genug.
- Verpflegung: Entlang der Routen finden sich ausreichend Gasthöfe und Biergärten. Besonders im Allgäu und im Donautal locken traditionelle Wirtshäuser mit regionaler Küche. Ein Tagesbudget von 25 bis 35 Euro für Mittag- und Abendessen ist realistisch.
- Tankstellen: In den ländlichen Gebieten zwischen den Hauptorten sollten Tankstellen rechtzeitig angefahren werden. Besonders im Oberen Donautal und in den Seitentälern der Alb werden die Abstände größer.
- Verkehr: An Wochenenden im Juli und August kann es auf den Hauptstrecken (Bodensee-Ufer, B30 im Donautal) zu stärkerem Verkehr kommen. Wer ruhiger fahren möchte, wählt die Nebenstraßen oder startet früh am Morgen.
Fazit
Die Region zwischen Allgäu und Donautal ist ein Motorrad-Paradies, das zu Unrecht oft im Schatten der Alpenpässe steht. Die Kombination aus kurvenreichen Tälern, weitläufigem Hügelland und alpinem Panorama bietet Abwechslung für mehrere Tage. Ob als Wochenendtrip oder als Teil einer längeren Süddeutschland-Rundreise — wer hier einmal gefahren ist, kommt immer wieder zurück.


