
BMW F 800 GS im Überblick
Die BMW F 800 GS gehört seit Jahren zu den festen Größen in der Mittelklasse der Reise- und Enduro-Motorräder. Mit ihrem 798-ccm-Parallel-Twin, dem markanten 21-Zoll-Vorderrad und einem ausgewogenen Verhältnis von Leistung und Gewicht spricht sie eine breite Zielgruppe an. Dieser Test beleuchtet die technischen Eigenschaften, die Fahreigenschaften auf und abseits befestigter Straßen sowie die Positionierung im Wettbewerbsfeld.
Technische Daten
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Motor | 798 ccm Parallel-Twin, 4-Takt, DOHC |
| Leistung | 85 PS (63 kW) bei 7.500 U/min |
| Drehmoment | 83 Nm bei 5.750 U/min |
| Getriebe | 6-Gang |
| Gewicht fahrfertig | ca. 230 kg |
| Radstand | 1.616 mm |
| Sitzhöhe | 880 mm (Senkung auf 850 mm möglich) |
| Tankinhalt | 16 Liter |
| Vorderrad | 21 Zoll, Speiche |
| Hinterrad | 17 Zoll, Speiche |
| Federweg v/h | 215 mm / 215 mm |
| Bremsen vorn | Doppelscheibe, 300 mm, ABS |
| Bremsen hinten | Einzelscheibe, 265 mm |
| Fahrmodi | Rain, Road, Dynamic, Enduro (optional) |
Motor und Fahrwerk
Das Herzstück der F 800 GS ist der wassergekühlte Parallel-Twin mit 798 ccm Hubraum. Er leistet 85 PS bei 7.500 U/min und liefert ein breites Drehmomentband mit 83 Nm Spitzenwert bei 5.750 U/min. Der Motor zeichnet sich durch einen linearen Leistungsaufbau aus, der sowohl im niedrigen Drehzahlbereich souverän zieht als auch im oberen Bereich ausreichend Reserven bietet. Das 6-Gang-Getriebe ist sauber schaltend und gut abgestuft, wenngleich der erste Gang bei steilen Offroad-Passagen etwas lang ausgelegt sein kann.
Im Fahrwerksbereich setzt BMW auf eine Upside-Down-Gabel von KYB mit 215 mm Federweg, die in der Grundabstimmung straßenseitig komfortabel und ausreichend stabil ausfällt. Hinten arbeitet ein Zentralfederbein über eine Einarmschwinge mit Paralever-Antrieb — eine BMW-typische Konstruktion, die die Antriebskräfte beim Beschleunigen gut kompensiert. Die vordere Radführung erfolgt über eine Telelever-Konstruktion, die das Eintauchen beim Bremsen reduziert. Beide Dämpfungselemente lassen sich in Vorspannung und Zugstufe anpassen.
Offroad-Fähigkeiten
Dank des 21-Zoll-Vorderrades mit Speichenbereifung bietet die F 800 GS eine solide Grundlage für den Einsatz abseits befestigter Wege. Die Reifenaufnahme ermöglicht den Einsatz aggressiver Offroad-Reifen, und der Federweg von 215 mm fängt auch größere Unebenheiten gut ab. Das abschaltbare BMW Racing ABS ist in zwei Modi konfigurierbar: Straße und Offroad. Im Offroad-Modus wird das ABS hinten komplett deaktiviert, während vorn die Regelschwelle erhöht wird.
Zusätzlich steht der optionale Enduro-Fahrmodus zur Verfügung, der die Gasannahmung sanfter gestaltet und die Traktionskontrolle an Schotter und Gravel anpasst. Die Bodenfreiheit von 225 mm reicht für die meisten Forst- und Schotterwege aus.
Für wen geeignet?
Die F 800 GS positioniert sich als Allround-Reiseenduro für mehrere Zielgruppen. Reise-Enduro-Einsteiger finden ein einsteigerfreundliches Motorrad mit moderater Leistung, die nicht einschüchtert, aber genug Reserven für Autobahnetappen bietet. Allround-Fahrer profitieren vom ausgewogenen Charakter: Die BMW ist komfortabel genug für den Alltag und kapabel genug für abenteuerliche Routen.
Die Sitzhöhe von 880 mm erfordert eine Mindestgröße von etwa 1,75 m. Mit der optionalen Sitzhöhen Senkung auf 850 mm lässt sich der Schwerpunkt spürbar senken.
Vergleich mit der Konkurrenz
Yamaha Ténéré 700: CP2-Reihenzweizylinder mit 73 PS, puristischer Offroad-Ansatz. Mit 204 kg Leergewicht leichter und schmaler. Im Offroad profitiert die Yamaha vom direkteren Lenkgefühl, während die BMW auf der Straße den komfortableren Fahrkomfort bietet.
KTM 790 Adventure: 95 PS und 88 Nm — die leistungsstärkste Variante im Vergleichsfeld. LC8c-Motor, laufrauh und charakterstark, Fahrwerk auf WP-Komponenten. Offroad-orientierter ab Werk, jedoch teurer und wartungsintensiver. Die BMW punktet mit niedrigeren Unterhaltskosten.
Honda CB500X: 48 PS aus 471 ccm — reicht für den Alltag und leichtere Reisen, bleibt auf der Autobahn aber deutlich hinter der BMW zurück. Mit 191 kg deutlich leichter und wendiger. Für Fernreisen und gemischtes Terrain bietet die BMW das umfassendere Paket.
Stärken und Schwächen
Stärken
- Ausgewogener Parallel-Twin mit breitem nutzbarem Drehzahlband
- 21-Zoll-Vorderrad und abschaltbares ABS für Offroad-Einsatz
- Robustes Fahrwerk mit ausreichend Federweg
- Guter Kompromiss aus Komfort und Offroad-Tauglichkeit
- Breites Zubehörprogramm von BMW und Drittanbietern
- Bewährte Technik mit geringem Wartungsaufwand
Schwächen
- Leergewicht von 207 kg spürbar im langsamen Gelände
- Erster Gang könnte kürzer ausgelegt sein für steile Offroad-Passagen
- Telelever-Lenkgefühl nicht für jeden Geschmack
- Grundausstattung teilweise hinter dem Niveau der Konkurrenz
- Hohe Sitzhöhe ohne Senkungsoption für kürzere Fahrer anspruchsvoll
Preis und Verfügbarkeit
Die BMW F 800 GS wurde in ihrer klassischen Form bis 2018 produziert; die Nachfolge trat 2019 mit der F 850 GS an. Gebrauchte Modelle der letzten Baujahre (2016-2018) bewegen sich typischerweise zwischen 7.500 und 9.500 Euro, je nach Kilometerstand, Zustand und Ausstattung. Die Technik ist ausgereift, Ersatzteile sind über das BMW-Händlernetz gut verfügbar.
Fazit
Die BMW F 800 GS ist ein Motorrad, das seinen Platz in der Mittelklasse der Reiseenduros über Jahre hinweg verdient hat. Ihr 798-ccm-Parallel-Twin bietet die richtige Mischung aus Leistung und Laufruhe, das Fahrwerk mit 21-Zoll-Vorderrad und abschaltbarem ABS schafft die Brücke zwischen Straße und Gelände. Wer ein leichteres, offroad-lastigeres Motorrad sucht, greift besser zur Yamaha Ténéré 700. Wer mehr Leistung wünscht, findet in der KTM 790 Adventure das passende Paket. Die F 800 GS bleibt für alle, die Wert auf einen ausgewogenen Charakter und bewährte Technik legen, eine empfehlenswerte Wahl — gerade auf dem Gebrauchtmarkt.



Vielen Dank für diesen Abriss der Daten. Da ist ja nun nicht sehr viel Innovatives geschehn….Gewicht ist gleich!!! Hubräumchen erhöht!!! ein par Extras gleich dabei…naja der Preis ist ja schließlich auch gestiegen. Ob dann das Verkaufs-Kalkül aufgeht?
Da erscheint mir jedenfalls der Griff zur 1300GS viel attraktiver.
Und das ist wohl auch der Marketingtrick von BMW!